Das Remake zum ersten Gothic Teil ist jetzt über eine Woche spielbar und da stellt sich natürlich die Frage, lohnt sich Gothic 1 Remake überhaupt? Haben Entwickler:innen es geschafft das Spiel in die Moderne zu katapultieren ohne den gewissen Charme von früher zu verlieren?
Ich habe einige Stunden mit dem Spiel verbracht, in zwei Lagern für Unruhe gestiftet und im dritten bin ich bereits angekommen und bereit mir einen Namen zu machen. Verstehst du? Einen Namen machen, als Namenloser Held? Egal. Ich habe zumindest das ein oder andere vom Remake gesehen und mir einen kurzen aber wirklich interessanten Einblick zum Spiel schaffen können.
Um eins vorweg zunehmen, Die Entwickler:innen haben es geschafft den alten Charme des Spiels in eine moderne Hülle zu verpacken. Allerdings liegt hier auch genau das größte Problem des Spiels.
Gothic 1 Remake: Auf in die Kolonie!
Wir spielen einen Helden ohne Namen. Wir scheinen ein Straftäter zu sein, der nun zur Strafe in die sogenannte Strafkolonie geschmissen wird, die von einer Barriere umschlossen ist. Jedoch dient diese Barriere nicht dazu, die Kolonie zu schützen. Das Betreten dieses Bereiches ist absolut gar kein Problem. Sollte jedoch das Verlangen danach aufkommen, diese Kolonie verlassen zu wollen – dann wird es zu einem Problem, denn alle innerhalb der Kolonie sind gefangen, auch diejenigen die diese Barriere erstellt haben. Einmal drin, gibt es also kein Entkommen und wir als Held stellen direkt in den ersten Minuten fest dass das kein Spaziergang wird.

Allerdings sind wir nicht einfach ohne Auftrag hineingeschmissen worden. Der eigentliche Grund, wieso wir in diese Kolonie sollen ist ganz einfach: Dies ist unsere Strafe. Jedoch ist dies, kurz bevor wir hineingeschmissen werden, nicht mehr der einzige Grund. Wir haben nun auch einen Auftrag den wir erfüllen sollen. Wir sollen dem obersten Feuermagier einen Brief überreichen. Dies führt zu einem weiteren Problem, denn einfach so zu den Feuermagiern spazieren ist nicht.
Zu Beginn unserer Reise bekommen wir erst einmal aufs Maul und werden kurz darauf von Diego gerettet, welcher sich als relativ freundlicher Verbündeter herausstellt. Er rät und ins alte Lager zu gehen, denn dort sind auch die Feuermagier, allerdings innerhalb der Burg. Du vermutest es vermutlich schon, in die Burg kommen Spieler:innen nicht einfach so rein, denn dafür müssten wir uns erst einmal dem Lager anschließen und uns beweisen. Dies ist jedoch gar nicht so einfach.
Welches Lager werden wir uns letztendlich anschließen?
Auf uns ganz alleine gestellt!
Der wichtigste Aspekt von Gothic ist, dass Spieler:innen auf sich alleine gestellt sind. Dies hat sich mit dem Remake nicht wirklich verändert. Wir werden in eine Strafkolonie mit einer Aufgabe geschmissen ohne das uns gesagt wird, wie wir diese Aufgabe lösen können. Der Held ist also nun gefangen in einer Umgebung, die ihm nicht vertraut ist und uns ebenso wenig. Auch nach einem Tutorial suchen Spieler:innen vergebens, denn ein Tutorial ist nicht vorhanden. Entwickler:innen trauen uns Spieler:innen 2026 also noch zu, alles selbst in die Hand zu nehmen und Sachen selbst zu entdecken, auch sich mit der Steuerung vertraut zu machen.
Grundlegend muss betont werden, dass eine Einführung in das Kampfsystem nicht wirklich existiert. Fairerweise muss jedoch auch gesagt werden, dass das Kampfsystem jetzt auch nicht das komplexeste ist. Wir greifen an, blocken und weichen aus. Zusätzlich zum Faustkampf oder zum Kampf mit einer Waffe, gibt es auch Magie. Vieles ergibt sich im Grunde durchs zocken und entdecken und genau das will Gothic. Spieler:innen sollen selbst, ohne viel Hilfestellung, Sachen herausfinden.
Den ersten Tipp haben wir kostenlos direkt zu Beginn von Diego bekommen. Es gibt in der Nähe das alte Lager, in das wir uns am besten sofort begeben sollten. Angeblich wären wir dort am besten aufgehoben. Ebenso erfahren wir auch das es noch andere Lager gibt, was es mit diesen genau auf sich hat, können wir später noch herausfinden. Ein wichtiger Teil ist es nämlich auch – neben dem Erkunden und ausprobieren, mit den anderen Charakteren reden. Grundsätzlich kann mit jedem NPC gesprochen werden. Gesprächiger sind jedoch die, die auch einen Namen haben. Hier können Spieler:innen viele Infos erhalten. Zum einen wie wir es schaffen können, in das entsprechende Lager aufgenommen zu werden. Wir bekommen aber auch von einigen Aufträge die wir erledigen können, um so im Ansehen aufzusteigen, Erz oder auch Erfahrungspunkte zu bekommen.
Levelsystem
Wo wir schon bei Erfahrungspunkte sind, denn in Gothic 1 Remake können wir das Level des Charakters erhöhen. Dies schaffen wir, in dem wir Erfahrungspunkte sammeln. Diese wiederum bekommen Spieler:innen durch das Töten von Gegnern oder erledigen von Aufgaben. Letzteres gibt am meisten EP, ist teilweise aber auch deutlich Zeitaufwendiger.

Wird das Level erhöht, so bekommt man LP. Mit diesen Punkten können Spieler:innen bei diversen NPCs Sachen lernen. So kann zum Beispiel die Stärke oder das Geschick erhöht werden, aber auch solche Sachen wie Schlösserknacken und Taschendiebstahl können gelernt werden. Die meisten Lehrer:innen verlangen dafür LP und Erz. Erz ist hier übrigens die Währung, von der wir zu Beginn nicht gerade viel haben. Auch hier wird einem nicht einfach so gesagt wo wir am besten Erz herbekommen. Ausprobieren und erkunden. Irgendwie werden wir schon Kohle bekommen. Denn auch in Gothic ist die Währung nicht unwichtig. Zwar können wir uns vieles klauen, aber es ist doch deutlich leichter mit mehr Geld durch die Welt von Gothic zu spazieren.
Oder etwas doch nicht? Naja, kommt drauf an. Die Möglichkeit das dich bestimmte Personen nicht leiden können, dir dem entsprechend eins aufs Maul hauen wollen, besteht auf jeden Fall. NPCs bringen dich zwar nicht um, aber du liegst für einen Moment bewusstlos auf dem Boden. Dies wiederum bedeutet das sich die jeweilige Person an deinem Inventar bedienen kann. Hier bleibt es jedoch nicht beim „kann“.
Das kann schon sehr ärgerlich sein, denn so einfach an Erz kommt man letztendlich auch nicht. Ausrüstung liegt ebenfalls nicht an jeder Ecke.
Die verschiedenen Lager
Bisher habe ich mir genau zwei Lager angeschaut. Beim dritten Lager bin ich gerade erst angekommen, habe seitdem aber auch nicht weitergespielt. Wir haben zum einen das alte Lager. Hier kommen wir direkt am Anfang des Spiels an, zumindest dann wenn wir uns dazu entscheiden auf den Rat von Diego zu hören. Wobei selbst wenn nicht, am alten Lager werden wir zu Beginn vorbeilaufen – sollte man dem Weg folgen.
Das alte Lager ist recht gut organisiert. Allerdings ist der Umgangston nicht sonderlich freundlich. Dies betrifft allerdings die ganze Gothic Welt. Im alten Lager existieren auf jeden Fall Regeln, an die sich die Bewohner halten sollten, ansonsten hat man schneller Probleme, als einem lieb ist. Hier laufen einem auch Leute aus anderen Lagern über den Weg, die wir dazu nutzen können uns zum entsprechenden Lager zu führen. Um in das Lager aufgenommen zu werden müssen wir erst einmal unser Ansehen steigern. Bedeutet: Arbeiten, arbeiten arbeiten. Merz wäre stolz auf uns. Wir nehmen also von wichtigen Personen innerhalb dieser Gruppierung Aufgaben an. Erledigen diese und sprechen dann mit Diego und fragen ihn ob sich unser Ansehen verbessert hat. Von ihm bekommen wir später eine wichtige Quest.

Als nächstes hätten wir noch das Sumpflager, in dem ich ebenfalls schon war. Wie der Name schon sagt, befindet sich dieses an einem Sumpf. Hier laufen sehr viele bekiffte Leute umher. Sumpfkraut ist der Shit und wird von allen in diesem Lager geraucht.
Anscheinend verdienen die Leute in diesem Lager mit diesem Kraut ihr Geld.
Die Bewohner vom Sumpflager glauben übrigens an einen „Schläfer“. Das Ganze fühlt sich schon extrem nach einer Sekte an, wenn wir ehrlich sind. Die Aufnahme ist auch gar nicht so einfach, denn die Person, die dies zu entscheiden hat – hat kein bock mit uns zu reden. Jedoch hört er auf die anderen Gurus. Wenn wir also vier von denen überzeugen uns aufzunehmen, dann können wir dieser netten Sekte beitreten. Problem an der Sache ist nur, dass auch die Gurus nicht mit uns reden, zumindest nicht einfach so. Außerdem dürfen wir Gurus auch nicht einfach so ansprechen, wir müssen von denen angesprochen werden. Es bleibt also herauszufinden wie wir es schaffen, die Aufmerksamkeit auf uns zu ziehen.
Das dritte Lager nennt sich das neue Lager. Erstmal heißt es, wie auch beim Sumpflager, diesen Ort zu finden. Am besten ist es, wenn wir einen NPC finden, der uns zum Lager führt. Von denen gibt es genau zwei, so weit ich das gesehen habe. Einer davon führt uns jedoch erst dann hin, wenn wir etwas von ihm gefunden und ihm zurückgegeben haben. Das ist übrigens eins der besten Beispiele, was Gothic ausmacht. Wir bekommen die Info nicht das wir ihm etwas zurückholen sollen, damit er uns zum neuen Lager führt. Irgendwo liegt genau diese eine Sache, die er verloren hat. Sobald wir diesen Gegenstand haben, taucht die entsprechende Gesprächsoption auf.
Daher: Immer schon alles erkunden und mit jedem quatschen!
Zum dritten Lager kann ich aktuell nicht viel sagen, lediglich das hier die Wassermagier sind. Das Lager ist zudem davon überzeugt das man es schafft aus der Barriere zu kommen. Deren Vorhaben ist es, die Barriere mit ganz viel Erz zu sprengen. Ob das wirklich funktioniert? Gute Frage. Keine Ahnung. Auf jeden Fall können Spieler:innen diesem Lager auch beitreten. Der Ablauf ist ähnlich, man muss sich einen entsprechenden Ruf innerhalb des Lagers machen.

Mein Fazit zu Gothic 1 Remake
Ich liebe das original bis heute. Habe es damals wirklich lange gespielt. Was ich bis heute an diesem Game so sehr liebe, ist der Ganze Vibe. Die Welt an sich, die Atmosphäre, die Musik, die Charaktere, der Held selber und eben auch die Synchronisation. Es war düster, ein sehr rauer Ton und das Spiel hat einem nichts geschenkt. Es fühlte sich gut an, wenn man etwas geschafft hat und dann belohnt wurde.
Und genau das ist Gothic. Ein Spiel, welches einem nichts schenkt aber sich umso belohnender anfühlt, wenn etwas geschafft wurde.
Die Entwickler:innen haben es geschafft den Charme, das Feeling vom original in eine etwas modernere Hülle zu verpacken. Gothic 1 Remake hat den Charme nicht verloren. Das Spiel fühlt sich vertraut an, aber auch irgendwie neuer und moderner. Letzteres jedoch nur in gewissem Maße und genau das könnte für viele ein Problem sein.
Aber erst mal der Reihe nach. Das Kampfsystem ist nicht mehr so sperrig, grundsätzlich fühlt sich die Steuerung sehr gut an. Die Welt wirkt nochmal deutlich atmosphärischer, dichter und natürlich auch schöner (auf ihre Art und Weise). Grafisch ist das Game wirklich gut geworden und passt zum Vibe des Spiels sehr gut. Auch die Synchronisation ist zum Teil die Selbe wie früher und machen auch hier ihren Job wirklich gut. Ich persönlich mochte damals schon die Synchro und mag diese im Remake immer noch.
Jedoch muss gesagt werden, dass das Spiel sicherlich nicht für jeden was ist. Nicht jeder der RPG mag, wird auch mit Gothic 1 Remake klar kommen. Wenn Spieler:innen sich auf das Game einlassen wollen, sollten diese auf jeden Fall wissen das es bei weitem nicht so modern ist, wie manch anderes RPG, welches in den letzten Jahren erschienen ist.
Was einem direkt zu Beginn auffallen wird, weil es einfach nicht vorhanden ist: Es fehlt eine Karte oder irgendeine Anzeige die uns sagt dort musst du hin. Hier muss man genau hinhören, der Weg wird einem grob erklärt. Ansonsten ist zu empfehlen sich genau einzuprägen, wo man genau langgelaufen ist. Die Karte bekommen Spieler:innen nämlich nicht einfach so. Zum einen muss sowieso erstmal herausgefunden werden, wo sich solch eine Karte befindet und dann wird einem noch klar das es mehrere Karten geben muss, die sich dann nachher zu einer Karte zusammenfügen lassen.
Es ist also klar: Das Spiel nimmt Spieler:innen nicht an die Hand. Weder bei der Karten-Thematik, noch bei den Aufgaben die zu erledigen sind. Auch bekommen Spieler:innen nicht einfach Ausrüstungen hinterher geworfen. Es steht nicht an jeder Ecke ein NPC der einem für wenig Erz Rüstung und Waffen verkauft. Ebenso gibt es auch nicht an jeder Ecke eine Truhe die einem die beste Ausrüstung auf dem Silbertablett serviert. Dennoch lohnt es sich zu erkunden und so viel wie möglich aufzusammeln! Jedoch sollte hier aufgepasst werden, denn die Gegner meinen es teilweise nicht gut mit einem. Es kommt nicht selten vor das der Held nur ein oder zwei Schläge aushält, auch auf dem leichten Schwierigkeitsgrad. Dies hat in der Regel aber nicht viel mit Skill zu tuen, denn gute Ausrüstung ist das A und O in Gothic.
Ich kann mir auf jeden Fall vorstellen dass das nicht jedem sofort gefallen wird. Was ich absolut nachvollziehen kann. Dennoch würde ich jedem das Spiel sofort empfehlen, wenn nach einem guten RPG gefragt wird. Gothic 1 Remake hat es perfekt geschafft das Gothic von Früher in die Neuzeit zu holen. Ein wirklich tolles Remake, von einem wirklich tollen RPG aus Deutschland, mit einem gewissen Charme, welches kein anderes Spiel besitzt. Wer also keinerlei Probleme damit hat auch mal aufs Maul zu bekommen, bestimmte Sachen mehrmals auszuprobieren und einfach bock hat zu erkunden, Dinge selbst herauszufinden ohne dass das Spiel einem alles vorkaut, dann ist Gothic 1 Remake auf jeden Fall einen Blick wert!