Leute, wir müssen reden. Wir müssen über Crimson Desert reden. Ein Game, welches vor geraumer Zeit für PlayStation 5, Xbox Series so wie auch den PC erschien und sich meiner Meinung nach in die Kategorie „missverstandene Games“ einreiht. Dies bezieht sich natürlich nicht auf alle. Es gibt sehr viele Spieler:innen die das Game mittlerweile lieben gelernt haben, weil sie sich eben Zeit genommen haben, sich mit dem Spiel auseinanderzusetzen und ich glaube hier liegt auch das Problem.
An dieser Stelle möchte ich kurz erwähnen, dass ich hier auf gar keinen Fall sagen will das Spieler:innen die mit dem Game nicht warm werden, das Game nicht verstehen oder das man das Spiel eben nur lieben kann. Nein. Auf keinen Fall. Games können nicht allen gefallen und das ist auch vollkommen in Ordnung.
Viele wollen sich keine Zeit mehr für Games nehmen. Man kann es den Spieler:innen auch nicht wirklich verübeln. Immerhin kommen im Wochentakt neue Games raus die das Interesse auf sich ziehen. Games die ebenfalls gezockt werden wollen. Was irgendwie auch traurig ist, denn eigentlich sollte man sich doch die Zeit für Spiele nehmen, wenn man doch eh gerne zockt oder?
Crimson Desert ist ein relativ krasses Beispiel. Es ein enorm großes Spiel, welches Spieler:innen eine Vielzahl an Möglichkeiten bietet, wie man die Zeit auf dem fiktiven Kontinent „Pywel“ verbringt. Das kann für den ersten Moment überwältigend sein. Man weiß nicht wo man anfangen soll oder womit man weitermachen soll.
Crimson Desert ist kein Spiel, welches einen an die Hand nimmt.
Meine ersten 15 Stunden in Crimson Desert
Ich habe mittlerweile knapp 15 Stunden in dem Spiel verbracht und dies hört sich vielleicht erstmal nach einer ordentlichen Zeit an, für ein Spiel wie Crimson Desert ist das allerdings so gut wie nichts. Wenn man so will, kann man hunderte Stunden mit Kliff in Pywel verbringen, dabei alles mögliche erleben. Vorausgesetzt man legt nicht sonderlich viel Wert auf Story, sondern viel mehr auf das Gameplay, erkunden und eine Art zweites Leben in einem Spiel verbringen zu können.
Es gibt viel Kritik, besonders zu Beginn des Spiels und auch vor dem Release. Kritik die vor allem die Steuerung betraf, aber auch die Story nicht komplett ignorierte. Eines vorweg: Man muss Pearl Abyss einmal loben. Sie lesen was die Community kritisiert und sind auch mit sehr viel Engagement dabei das Feedback umzusetzen, vor allem die Kritikpunkte was die Steuerung betrifft, wurde in jüngster Vergangenheit bereits mit Updates verbessert.

Dennoch muss man ganz klar sagen: Sucht man ein Spiel, welches eine wundervolle Story bietet, mit tiefgründigen Charakteren, einer Wendung die einem schockiert, dann sollte eventuell ein großer Bogen um das Spiel gemacht werden. Eins kann zur Story auf jeden Fall gesagt werden, sie ist vorhanden. Es gibt eine Story, die zum Teil aber irgendwie auch verwirrend ist, vor allem zu Beginn. Unser Protagonist „Kliff“ ist in etwas so deep wie ein Stück Papier. Reden ist jetzt auch nicht unbedingt seine Stärke. Allerdings sind das alles Sachen die n gutes Spiel nicht unbedingt ausmachen müssen. Wenn wir uns mal The legend of Zelda angucken, hier redet der Protagonist auch so gut wie gar nicht. Bei The Witcher 3 ist dies ebenfalls der Fall das der Charakter kaum bis gar keine Emotionen zeigt, außer in gewissen Situationen. Mit anderen Worten: Kliff ist ein Protagonist, der einfach alles hinnimmt. Er hinterfragt nichts. Er wird in irgendwelche Sachen reingezogen und muss plötzlich die Welt retten, scheint ihm allerdings egal zu sein. Er macht es einfach. Dies ergibt aber auch zum Teil irgendwie sinn, denn es gehört den Graumähnen an, die sich geschworen haben zu helfen. Genau das tuen wir als Kliff auch, ohne zu hinterfragen. Wir machen andere glücklich und uns macht es glücklich, weil es einfach Spaß macht.
Crimson Desert nimmt Spieler:innen nicht an die Hand

Muss ein Spiel überhaupt Spieler:innen an die Hand nehmen? Muss ein Spiel eine gute Story haben? Muss ein Spiel ein gutes Gameplay haben? Muss ein Game eine gute Grafik haben? Worüber wir uns alle einig sind, ein Spiel muss letztendlich starten und auch einigermaßen performant laufen, damit die Grundvoraussetzungen gegeben sind, damit Spieler:innen Spaß an einem Game haben können.
All die anderen Punkte gehören doch eher in die Kategorie „Geschmack“. Die einen mögen eine eher realistischere Grafik. Andere wiederum legen viel Wert auf eine emotionale Story, während andere Spieler:innen diese skippen, weil das Gameplay viel wichtiger ist.
Letztendlich kann man sicher sein, man kann mit einem Game nicht alle erreichen. Allerdings finde ich es auch nicht sonderlich geil ein Game als schlecht zu betiteln, nur weil es spezielle Sachen anders macht, als andere Games.
Wie oft wird kritisiert, dass Entwickler:innen nichts neues mehr versuchen, sich nicht trauen mal einen anderen Weg einzuschlagen. Genau das hat man hier bei Crimson Desert gemacht. Das Spiel möchte niemanden an die Hand nehmen und überall hinführen. Zumindest nicht in dem Sinne, dass es einem direkt sagt was man zu tuen hat. Es gibt auch einige Sachen, die gar nicht erst erklärt werden. Rätsel z.B sind teilweise etwas nervig, weil hin und wieder nicht klar ist, was das Spiel von einem will. Hier gilt dann, ausprobieren. Solange bis es klappt. Das kann man mögen oder eben nicht mögen.
Grundsätzlich ist es bei Crimson Desert so, dass man nach dem Intro, ab einem gewissen Zeitpunkt, machen kann was man will. Man ist noch keine Stunde im Spiel und wird dann in eine riesige Welt geschmissen, die man eigentlich direkt erkunden kann, ohne die Hauptquest zu machen. Wenn du bock hast, kannst du einfach den Berg in der Ferne hochklettern und gucken was da so abgeht. Du kannst dir einfach Zeit lassen und die Gegend erkunden. Crimson Desert sagt dir hier nicht das es zumindest wichtig wäre die ersten paar Quests zu machen, damit man eventuell mehr Optionen offen hat und das Spiel einem grob erklärt worum es in diesem überhaupt geht. Kurz gesagt, es ist dem Spiel eigentlich völlig egal, was du als erstes machst. Würde an dieser Stelle aber jedem empfehlen, zumindest die ersten Quests zu machen, bis man so im zweiten, dritten Kapitel ist.
Die Freiheit in Crimson Desert ist faszinierend
Ich finde die Freiheit die man in Crimson Desert hat, sehr erstaunlich. Es gibt unfassbar viele Möglichkeiten wie man seine Zeit in dem Spiel verbringen kann. Natürlich kann man hier die Hauptquests verfolgen, man kann aber auch Kopfgelder einsammeln, Bewohner:innen helfen, die Gegend erkunden, angeln, Ressourcen farmen wie Bäume fällen, Erze abbauen, Pflanzen pflücken, kochen, gegen Gegnern kämpfen, Tiere streicheln oder gar eine ganze Armee aus Katzen sammeln. Letzteres ist jetzt kein direktes Gameplay Element, aber man könnte es sich theoretisch zur Aufgabe machen, Katzen zu suchen und diese sogar auf den Arm nehmen und durch die ganze Welt von Crimson Desert tragen.
Man sollte zudem auch nicht vergessen das Crimson Desert kein Rollenspiel ist. typisches Levelsystem gibt es hier nicht. Man sammelt mit dem Erledigen von Quests oder dem besiegen von Gegnern keine Erfahrungspunkte, die einem im Level aufsteigen zu lassen. Viel mehr wird man durch das Erkunden und beobachten stärker. So lernt man z.B neue Fähigkeiten, wenn man jemandem dabei zusieht. Allerdings gibt es auch die Möglichkeiten seine Fähigkeiten zu verbessern, ebenso auch seine Ausdauer oder wie viel Kliff am Ende einstecken kann. Dafür müssen wiederum so eine Art Fragment gesammelt werden, welches man dann wiederum für das Skillen aufbraucht. Hier kann es allerdings etwas länger dauern, bis auch wirklich alles geskillt hat, denn die Anzahl der Fragmente erhöht sich später, die man benötigt um einen Skill zu verbessern.

Ebenso hat das Spiel ein Ruf-System. Man kann durch das Interagieren und auch erledigen von Aufgaben im Ansehen bei den Bewohner:innen steigen.
Ich selber habe in den 15 Stunden gelernt, dass es bei Crimson Desert sehr stark darauf ankommt, wie man das Spiel spielt. Wenn man durch das Game rennt, ohne auf die Umgebung zu achten und nur die Hauptquest erledigen will, wird hier garantiert nicht auf seine Kosten kommen und vermutlich auch gar keinen Spaß haben. Der Fokus liegt meiner Meinung nach nicht auf die Story und schon gar nicht darauf das Spiel so schnell wie möglich durchzuspielen. Ganz im Gegenteil. Das Spiel will eher das sich Spieler:innen Zeit lassen. Sich die Zeit nehmen alles zu erkunden, sich die Zeit nehmen für die ganzen Aufgaben. Crimson Desert eignet sich auch perfekt dafür, um es immer mal wieder zu zocken. Eine kleine Runde am Abend, beim wohlverdienten Feierabend? Gar kein Problem. Lass dir Zeit und genieße das Spiel in vollen Zügen. Es bietet so mehr als nur eine eher banale Story. Und was die Steuerung angeht: Man gewöhnt sich so gut wie an alles. Man braucht halt seine Zeit um damit klar zu kommen, weil es sehr viel gibt, was man in Crimson Desert machen kann, demnach gibt es auch viel was man sich merken muss. Nach einer knappen Stunde hatte ich persönlich allerdings gar kein Problem mehr gehabt mit der Steuerung und durch letzte Updates wurde auch hier das ein oder andere schon nachgebessert.
Und ein kleiner Hinweis am Rande: Lass dich nicht von der Größe der Welt täuschen. Sie ist nämlich noch größer als der erste Blick auf die Karte verrät. Neben der Welt an sich, gibt es noch parallel dazu den Abyss, welcher auch noch mal eine enorme Größe hat.
